Das erste Mal als ich ihn sah dachte ich mir, er sei ein missratener Vollversager. So denken viele am Anfang. Er ist klein, rundlich, hat kleine Augen, macht auf den ersten Blick keinen hellen Eindruck und leidet unter einem leichten Zittern. Noch dazu ist nicht zu übersehen, dass er einige Altersklassen über uns liegt, obwohl jemand wie ich noch zu den Küken gehört. Herr W. wird immerhin bald sein fünfzigstes Lebensjahr erreichen und freut sich so gar nicht darüber.
Noch dazu hat er einst Geologie studiert, beim Landschaftsverband gearbeitet und als dann eines Tages unverhofft sein Arbeitszweig nieder gestampft wurde wirkte er als Bibliothekar. Sein Wissen und Können lässt ihn keinesfalls eingebildet wirken. Ganz im Gegenteil, denn er gibt gerne etwas von seinem Wissen ab. Daher die passende Beschreibung „bereichernd“. Aber kleine Genies neigen auch dazu etwas weltfremd zu erscheinen. Und so ist es auch bei ihm. Ein kleines bisschen tollpatschig ist er und darum haben wir immer sehr viel zu lachen.
Die kompliziertesten Rechnungen stellt er auf, aber mal eben eine Wasserflasche öffnen…tja, das kann sich schon mal als kleines Problemchen herausstellen. Versucht er sie zu öffnen, dann entleert sie sich auch mit lautem Zischen und in Form einer Fontäne. Versucht er die Glaskanne von einer Kaffeemaschine zu trennen, bloß um sich etwas einzugießen, artet das in endlos lautem Geklapper aus und lässt vermuten, dass er die Kaffeemaschine operiert. Aber am coolsten ist, wenn er einen Lachanfall bekommt, was relativ selten der Fall ist. Abgesehen davon, dass das immer sehr überraschend kommt, klingt sein Lachen wie das eines kleinen Zwerges. Und auch andere Laute während des Unterrichts gehen hin und wieder von ihm aus. Selbst ein Seufzer gilt als wahrliche Attraktion! Und wenn einer von uns anfängt darüber nur zu kichern, dann ist der Startschuss für das große Gelächter schon wie gemacht.
Ja, manchmal ist der gute Herr W. schon ganz extrem neben der Spur.
Das Arbeiten wurde nun offiziell von unserem Dozenten freigegeben und jeder hackte in seine Tastatur, was das Zeug hielt. Es müssten sage und schreibe mindestens fünf Minuten vergangen sein. Außer dem Tastaturgeklapper war im Raum nichts mehr zu hören. Doch auf einmal durchbrach Herr W. die fast so vollkommene Stille mit der Frage:
„Können wir schon anfangen?“
Passiert öfter so was … mit Herrn W. xD
(Wir haben eine weitere Person, die manchmal die dollsten Klopper bringt….aber davon erzähle ich besser die Tage mal. ;))

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