Privatleben

Freitag, 26. september 2008

Es ist manchmal schon unglaublich, was man teilweise an Abstrusitäten verkraften muss. Am Schluss bleiben viele viele Fragezeichen zurück, die man mit heftigem Kopfschütteln versucht wieder loszuwerden.

 

So erging es vermutlich meiner besseren Hälfte, Jack, als er sich ein paar Laugencroissants kaufen wollte….so wie er es jeden Morgen oder Vormittag macht. Er kauft immer zwei bis drei. Laugencroissants mit Frischkäsefüllung. Naja, Kjartan und er stehen halt drauf und ich finde es hin und wieder auch ganz lecker.

So war es auch heute. Er lief, wie jeden Tag, zur Bäckerei um sich diese heiß geliebten Teilchen käuflich zu erwerben.

„Zwei Stück bitte.“, so seine Worte. Und da das die zwei letzten Teile ihrer Art waren, schätze sich Jack insgeheim glücklich, dass er die Person war, der sie noch abbekommen sollte.

Mit zerknittertem Gesichtsausdruck packte die Backwarenverkäuferin nachdenklich und etwas zögerlich die zwei Croissants in eine Tüte. So kennt man das ja. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dafür war ihre Bitte an Jack umso ungewöhnlicher, wie ich finde:

„Sagen Sie mal…können Sie nicht vielleicht das nächste Mal wenigstens einen Tag vorher bescheid sagen, dass sie diese Laugencroissants kaufen wollen?“

Ich verstehe an dieser Stelle völlig, dass Jack die Verkäuferin verdutzt fragte, „Öhm, wieso???“

Ihre Antwort war jedoch der Knaller!

„Naja, wie Sie unschwerlich erkennen können, sind das die letzten beiden. Kommt jetzt ein anderer Kunde der sie kaufen will, dann sind keine mehr da.“

Jack darauf hin: „Ja, richtig!? Wahrscheinlich weil ich sie gekauft habe. War ich halt schneller. Aber das eigentliche Problem dabei erkenne ich jetzt gerade nicht. Schönen Tag noch.“

…Und er hatte auch nicht länger Lust darauf mit dieser Person über irgendwelche Laugencroissantvorräte zu diskutieren. Also ich verstehe es ebenfalls nicht. Sehr merkwürdige Geschichte bzw. merkwürdige Anmerkung von dieser Verkäuferin. Da greif(e)/t man (ich) sich (mir) doch an den Kopf? Oder stehe ich mit dieser Auffassung alleine da? Wenn sie doch weiß, dass der gute Mann jeden Tag vorbei kommt und mindestens zwei Laugencroissants kauft, dann könnte sie doch einfach in Zukunft mehr bestellen. oO

Unglaublich….oder????

Nun ja, sehr schade, dass ich nicht dabei war…

von Aada
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Mittwoch, 10. september 2008
Endlich steht mein neuer Rechner in unserer Bude. Ich gebe zu, es hat nun ziemlich lange gedauert und ich scheine hier für die einen oder anderen Leser mehr oder weniger unter gegangen zu sein. Aber ich war mit dem Kopf in Klammern immer hier, denn Paukstoff hin oder her, ein bisschen Freizeitgeschreibsel muss drin sein. Selbstverständlich bedeutet das noch immer nicht, dass ich für den Blog ALLES geben können werde. Aber immerhin, man wird wieder etwas von mir hören bzw. lesen.^^

Ansonsten ist natürlich einiges bei mir los gewesen. Der Prüfungsstress rückt immer näher, der Stress mit unserem ganz besonderen Nachbarn wurde bis vor kurzem auch nicht viel besser und zu allem Überfluss fingen auch noch meine Mutter und ich uns an zu streiten. Das lief auch so ein paar Wochen lang. Wir redeten zwar nicht miteinander, aber selbstverständlich übereinander und keine der beiden Seiten hatte etwas Gutes zu berichten. Für die nötigen „unerfreulichen“ Infos schickten wir meine Schwester, (Frau L.), hin und her. Ich glaube sie hatte es insgeheim sogar sehr begrüßt, dass Mutter und ich uns in der Wolle hatten. ;)

Aber der Ärger schien so eine Art Virus gewesen zu sein, der in nächster Umgebung seine Kreise zog. Auch in unserem Kurs merkte man so mit der Zeit eine leicht ansteigende Anspannung. Langsam scheinen einige in Panik zu geraten oder so. Die Stimmung war jedenfalls nicht die beste. Irgendwann krachte es gewaltig. Und weil ich beispielsweise sowieso immer schon Ärger wie ein Magnet anzog, knallte es u. a. zwischen mir und einer Kursteilnehmerin. Die Sätze durchfetzten nur so den Raum, flogen so hin und her und Eines ergab das Andere. Jetzt ist natürlich wieder alles gut. Wir haben uns alle wieder lieb und pauken fleißig miteinander oder jeder für sich. Sogar mein Geburtstag wurde noch so angefeiert. Von meiner Klasse bekam ich ein Ständchen und eine dicke Topfpflanze. Falls es jemanden interessieren sollte:

Es handelt sich dabei um eine gelbe Zantedeschia, dicht gewachsen mit drei Blüten. Sehr aufmerksam!

Allerdings war der Kursfriede auch erst vor ca. zwei Wochen wieder eingekehrt. Es traf sogar einen Dozenten….und zwar DEN Dozenten…..der Obermackerdozent. Kurzweilig hatte er es sogar ein kleines bisschen verdient. Seine Art löste eine Welle von Unmut, Resignation und Ärger aus. Da war er bei mir ausgerechnet an der richtigen Adresse. Ich hatte sowieso schon privaten Ärger genug. Dann auch noch dort, wo ich inzwischen die meiste Zeit meines Lebens verbringe? Und so ungefähr reagierte ich dann auf ihn, was mir hinterher allerdings extrem Leid tat. Darum schaffte ich das Ganze mit einer simplen Entschuldigung nach einem Stutzerwochenende aus der Welt und erhielt von seiner Seite aus eine fette Portion Selbsterklärung. Auch ihm schien so einiges Leid zu tun. Naja, war jedenfalls nicht die schlechteste Reaktion von ihm. Immerhin ist er seit dem wie verwandelt. Bei dieser besagten Mitschülerin, (die um einiges älter ist als ich), lief es noch viel einfacher ab. Nach dem verkrachten Wochenende verhielt sie sich so wie immer, als ob nichts gewesen wäre. Das kam mir zwar am Anfang spanisch vor, weil es ja wirklich ganz derbe gekracht hatte, aber sie scheint sich tatsächlich wieder eingekriegt zu haben. Ich schob es hinterher auf ihren Lernstress, den damit verbundenen Druck und sah daher keinen Anlass mehr irgendetwas mit ihr in dieser Richtung zu klären oder ihr nachhaltig etwas übel zu nehmen.

Wie gesagt, ungefähr zwei Wochen später meldete sich mein Geburtstag zu Wort und ich bekam Besuch von meinem Vater und von meiner Schwester, (Frau S.), die ich im Übrigen seit neun Jahren nicht mehr gesehen hatte. Also der nächste Punkt bei dem sich Stress ankündigte. Ich kenne sie zu gut um zu wissen, dass sie eine verwöhnte Zicke ist, aber wiederum zu wenig um das ganze menschlich immer so bei ihr einschätzen zu können. Denn eigentlich ist sie eine ganz liebe und umgängliche Person, wenn man es geschafft hat sie zu knacken. Aber die ersten zwei Tage ihrer Anwesenheit sah es ganz und gar nicht so aus, als könnte man sie knacken. Besonders an meinem Geburtstagsessen nagte das unwahrscheinlich an mir und ich war geradezu hoffnungslos. Wir hatten uns augenscheinlich total auseinander gelebt. Dabei waren wir doch mal so unzertrennlich. So etwas ist enorm bedauerlich und verletzend. Dafür aber umso erfreulicher, wenn sich am Schluss doch noch herausstellt, dass das alles unsichere Fassade war und man sich doch gegenseitig eingesteht, dass man sich gewaltig vermisst hat weil man sich eben sehr mag. Allerdings ist es in solchen Fällen eine Unmöglichkeit von Null auf Hundert hochzufahren. Ich gebe zu, die Beschnupperungsphase war hart, am Schluss jedoch umso herzlicher.
Folglich wieder ein Problem weniger, aber dafür war der Abschied natürlich mal wieder nicht so einfach.

Durch den Besuch meines Vaters und meiner Schwester, (Frau S.), glätten sich auch wie von selbst die Wogen zwischen meiner Mutter und mir. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen künftig was sie angeht etwas auf Abstand zu gehen.

In der Zeit, als ich unfreiwillig ohne Rechner und mehr oder weniger ohne Zugriff auf das Internet leben musste, habe ich natürlich nicht NUR gepaukt wie eine Blöde. Ich habe auch ganz normal mit Stift und Blatt Tagebuch geschrieben –was ich nebenbei sowieso immer so für mich mache- und folglich sämtliche Ereignisse und einzelne Situationen viel genauer aufgezeichnet habe. Ehrlich gesagt hatte ich mir schon überlegt das alles hier nachzutragen. Aber ich habe mich dann doch dagegen entschieden. Man muss sich das schließlich so vorstellen: Man schreibt sich den Ärger von der Seele und da werden dann teilweise auch aus dem ganzen Ärger heraus unfaire Sachen daher geschrieben. Wobei ich mich selbst in meinem Tagebuch doch recht zusammenreiße. Aber egal. Zu gewissen Sachen habe ich inzwischen, da der Ärger ja nachgelassen hat, eine ganz andere Haltung. Also sehe ich in dem Ganzen keinen Sinn mehr. Was mich allerdings die ganze Zeit am meisten bewegte und ärgerte war zum Beispiel, dass ausgerechnet jetzt unser Rechner total den Geist aufgeben musste. Da war wirklich absolut gar nichts mehr zu machen. Wenn man auf so ein Teil so was von angewiesen ist, merkt man erst wie kacke es sein kann ohne sein zu müssen. Oben drauf kam natürlich die Dauerkacksituation mit unserem Nachbarn Herrn M. der einfach keine Ruhe geben kann oder will und dann auch noch der Stress mit Mutter; Dozent; allgemein gespaltene und dicke Luft im Kurs, da ja alle so unheimlich gestresst sind weil sie sich selber stressen; Fetzerei mit einer Kursteilnehmerin…….

Also irgendwann reicht es einem dann auch mal. Am liebsten hätte ich mich für eine Weile total isoliert eingeigelt. Aber das geht ja nicht. ;)
Wie gesagt, sämtliche Stressfaktoren konnten beseitigt werden. Sogar, wer hätte es gedacht, der Stress mit unserem Nachbarn Herrn M.
Zumindest vorläufig. Ich will ja nicht zu viel versprechen. Jack krallte sich in einer günstigen Minute den werten Herrn und fragte ihn, ob es ihm nicht auch langsam mal zu blöd sei sich wegen diesem gesamten Blödsinn ständig in die Haare zu bekommen. Herr M. reagierte darauf für meinen Geschmack sehr überraschend. Aber wenigstens mal zum Positiven. Er bedankte sich bei Jack dafür, dass er den Anfang machte und den ganzen Krach beseitigen wollte. Er hätte auch keine Lust mehr auf den ganzen Quatsch. Darüber hinaus täte ihm alles was er getan hätte unheimlich Leid; die Drohungen; die Sachbeschädigungen; die Beschimpfungen etc. pp. Wofür er sich auch noch entschuldigte war, –und darüber musste ich im Nachhinein wahrlich lachen-, dass er ab und zu so viel getrunken hätte. Er sagte natürlich noch viel mehr. Der Mann hatte auf einmal so viel Redebedürfnis, dass Jack so gut wie gar nicht dazwischen kam und irgendwann einfach nur noch den Zuhörer spielte. Unter anderem erwähnte er glaube ich auch, dass seine Freundin furchtbar geweint hätte, nachdem ich auf ihre blöden Sprüche gekontert hatte. Ganz allgemein - wie ging noch gleich der Spruch? „Hunde die bellen beißen nicht“, oder so? Würde nach dieser Nachricht zumindest auf diese beiden Pappenheimer zutreffen. Jedenfalls gingen die zwei Männer in Frieden auseinander und das könnte bedeuten, dass wir auch in diesem Punkt zukünftig Ruhe haben werden, was ja die Wohn- und Lebensqualität ernorm aufbessern könnte, hehe.

So, und weil ich nach der gesamten Zeit jetzt wirklich genug für heute gebrabbelt habe, werde ich mich fürs Erste wieder verabschieden und versuchen so schnell wie möglich neue Buchstabenanreihungen von mir zu geben.
von Aada
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Dienstag, 22. juli 2008

Gestern war ein gewaltiger Tag, was das Wetter betrifft. Die Autofahrt von der Stadt zurück nach Hause aufs Land war schon abenteuerlich! Regenschauer wie man es nur selten hat. Das Regenwasser schien Kübelweise vom Himmel geschüttet worden zu sein. Man kam zwar mit dem Wagen nicht ins Straucheln, jedoch war die Sicht mehr als beschränkt.
Zu Hause angekommen schien sich die Lage mehr oder weniger beruhigt zu haben. Es regnete nur noch ein kleines bisschen und wir waren froh endlich die vertrauten vier Wände um uns zu haben.

Um ca. 18:50 Uhr fing die Sendung „Sandmännchen“ an. Wir lassen das immer Kjartan vor dem Zubettgehen angucken. Aber es stellte sich heraus, dass wir dabei gestört werden sollten. Auf einmal erklang ein aufdringliches und windiges Wasserbrausen, (so nenne ich es jetzt einfach mal), welches im nächsten Moment von einer Art Staubsaugergeräusch begleitet wurde. Daraufhin schlug es mir sämtliche Fenster zu und andere Fenster des Hauses wurden von außen sogar aufgestoßen. Dann sah ich vom Wohnzimmerfenster aus nur noch Gegenstände und Dachziegel durch die Gegend fliegen. Einer davon hatte es sogar auf uns abgesehen und machte sich über den Balkon her. Ernsthaft! So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt und war dementsprechend schockiert. Kjartan klammerte sich ängstlich an mich und verstummte vollkommen, während ich ihn so fest wie ich konnte an mich drückte.

Jack war zu dieser Zeit bei unserem Nachbarn Herrn S. um ein Schreiben für diesen aufzusetzen. Sofort rief ich ihn an um zu fragen, ob mit ihm alles in Ordnung wäre. Gleich darauf kam er zu uns, um sich den entstandenen Schaden anzusehen. Diverse Gartenmöbel waren im Eimer, zerschmetterte Dachziegel so weit das Auge reichte und ein Badezimmer das vollkommen verwüstet wurde: Äste, Schlamm und Wasser kamen zu besuch. Das Badezimmer sah also aus wie Sau. Das Schlimmste spielte sich allerdings auf der Straße ab. Noch nie habe ich so viel Verwüstung auf einen Haufen gesehen, (außer im Fernsehen, wenn andere Orte des Landes oder des Erdballs von einer Naturkatastrophe heimgesucht wurden). Die gesamte Straße war zugepflastert von zerbrochenen Dachziegeln und die umliegenden Häuser wiesen riesenhafte Löcher auf den Dächern auf. Die Ersten griffen schon nach ihren Gartenbesen und kehrten den Schaden zusammen. Andere, so auch wir, machten Fotos von den Schäden. Die Häuser waren nicht alles was u. a. beschädigt wurde. Auch die Fahrzeuge haben so einiges abbekommen. Das Fahrzeug von Nachbarn S. und sogar vom Messerstecher Herrn M. waren total beschädigt.

Seit einigen Tagen haben Jack und ich auch einen Neuwagen und ärgerlicherweise braucht der nun eine Neue Stoßstangenverkleidung, eine neue Motorhaube und einen neuen Kotflügel. Heute kann ich schon wieder darüber lachen, vor allem da ich zum einen weiß, dass niemand dabei zu körperlichem Schaden gekommen war. Zum anderen ist es jedoch auch beruhigend zu wissen, dass diverse Versicherungen für den Gesamtschäden, egal ob Haus oder Auto, aufkommen werden.

Es war jedoch schon erstaunlich zu sehen, wie sehr so eine Nachbarschaft in derartigen Extremfällen zusammen hält und sich gegenseitig hilft. Auch diverse Stressparteien hielten sich an diesen so genannten Ehrenkodex. Herr M. machte Fotos von den Schäden an meinem Auto und machte mich ebenfalls darauf aufmerksam, nach dem ich ihm berichtete, dass noch ein paar Dachpfannen auf seiner Frontscheibe lägen.
Wenig später kamen Feuerwehr, Zimmermänner und Dachdecker. Sogar unser Vermieter trabte an und half beim nötigsten Aufräumen.

Man glaubt ja gar nicht wie müde ich gestern war. Nach diesem Tag fiel ich geradewegs wie ein Stein in mein Bett und verbuchte dieses Ereignis unter einer interessanten Erfahrung.^^

von Aada
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Montag, 14. juli 2008

und das macht uns alle sehr traurig.

Besonders Jack mochte ihn sehr gerne und überraschenderweise beruhte das auf Gegenseitigkeit. Das beruhigte mich ungemein. Die Anwesenheit meines Vater war sehr auflebend, aufbauend und es war, trotz der kurzen Zeit seines Besuches, wie eine Lücke, die durch ihn gestopft wurde. Dafür war dann das klaffende Loch um so größer, als er uns wieder verlassen musste. Meine jüngste Schwester, Jack, Kjartan und ich brachten ihn zum Flughafen. Sein Flug nach Hause ging schon um 17:40 Uhr.
Meine Schwester fing bitterlich an zu weinen, als mein Vater sie zum Abschied umarmte und dann durch die Sicherheitskontrolle ging. Wir wissen zwar alle, dass wir ihn bald wieder sehen werden und das ganz sicher kein endgültiger Abschied ist, (das ist es ja nie), aber dennoch fühlt es sich immer wieder so an. Er fehlt uns dann einfach so sehr.
Kjartan wollte sich von ihm gar nicht losreißen lassen. Verzweifelt klammerte sich das kleine Bündel von Kind an Großvaters Bein, brüllte und wimmerte ganz bitterlich. Jack schien es auch nicht so gut dabei zu gehen. Später, als wir dann wieder zu Hause angekommen waren, sagte er, dass ihm selber fast die Tränen gekommen wären.

Und was ist mit mir?

Ich muss zugeben, dass ich ganz stark mit mir zu kämpfen hatte. Eigentlich bin ich diese Art von Abschied zwischen meinem Vater und mir ja inzwischen gewohnt, aber gestern war es mal wieder sehr hart…nach langer Zeit…
Wahrscheinlich war es das gesamte Szenario (?) Jack war am schlucken und schaute mit trauriger und betroffener Miene drein, während unser Kind verzweifelt brüllte und meine kleine Schwester unter Tränen fast in sich zusammen fiel. Bei einer derartigen Atmosphäre stark zu bleiben ist schon schwer, und es fiel mir schwer! Aber ich schluckte es herunter, denn es hätte den Dreien nichts gebracht wenn ich dann auch noch herum geflennt hätte. Am Ende stellte sich dann heraus, dass es für Schwesterchen sogar noch härter war, als für den kleinen Kjartan. Immerhin beruhigte er sich auf der Heimfahrt im Auto relativ schnell wieder. Sie guckte jedoch mit laufender Nase und kullernden Tränen aus dem Fenster. Dabei hörte man sie in regelmäßigen Abständen leise vor sich hin schniefen.

Als wir dann zu Hause bei unserer Mutter angekommen waren fiel das geknickte Mädchen ihr laut weinend in die Arme. Das war selbst für unsere Mutter zu viel und sie fing auch noch an zu brammeln. Sehr traurig das Ganze.

Dennoch bin ich froh, denn ich weiß ja, dass er sich in Zukunft mehr Zeit und Raum schaffen möchte um für uns alle mehr Zeit aufbringen zu können. Besonders für seinen kleinen Enkel. Bis dahin steht noch viel an: Seine geschäftlichen Veränderungen; sein Umzug nach Österreich und der Verkauf seines „noch“ Hauses in Deutschland. Bei mir wird es nicht viel anders aussehen: Fortbildung; Arbeit; Prüfung und wenn das alles überstanden sein wird, dann wollen wir auch innerhalb des Ortes umziehen. Außerdem werde ich Anfang nächsten Jahres wieder als Angestellte Vollzeit arbeiten. (Das Gewerbe werde ich dann auf „neben beruflich“ einstellen, damit ich mich nicht all zu sehr überschlagen muss. Wir sind ja ein Familienbetrieb, da ist das nicht so tragisch). Ich träume ja von einer eigenen Buchhaltung, in welcher nur ICH das Sagen habe, hehe. Mal sehen wie es kommen wird…

Sobald dann wieder die Zeit kommen wird, in welcher ich Urlaub nehmen kann, werden wir natürlich zu meinem Vater ins Zillertal gehen um Urlaub zu machen und die Familie etwas kompletter zu machen. Man kann zwar nie alles so genau planen, denn meistens kommt es dann ganz anders. Aber so ungefähr wird es aussehen und umgesetzt werden, was ich persönlich für sehr wichtig halte. Darum, sofern man sich auf die positiven Aussichten konzentriert, sind das doch gar nicht mal so schlechte Aussichten und darum auch kein Grund den Kopf hängen zu lassen.

von Aada
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Mittwoch, 9. juli 2008

Gestern bekam ich einen plötzlichen Anruf von meinem überglücklichen Vater. Genau gesehen gibt er so gut wie immer vor gute Laune zu haben, selbst dann, wenn diese in der Tat nicht zum Besten steht. Wer ihn kennt durchschaut das relativ schnell. Aber dieses Mal war er wirklich höchst erfreut denn er hat es geschafft, trotz seines enormen Arbeitspensums, sich freizunehmen und uns von Donnerstag bis Sonntagnachmittag zu besuchen. Natürlich werde ich kaum Zeit für ihn haben und berichtete ihm davon. Jedoch hat er dafür Verständnis, „Bei mir wäre es ja auch nicht viel anders.“, seufzte er, „Ich kenne das!“.

Ich denke gen Abend werde ich immer mal wieder in den Genuss kommen mit ihm zu plaudern. Hauptsache er ist mal anwesend und für Kjartan sind seine Besuche immer sehr wichtig. Seinen „Opa-Autsch“, so wie er ihn zu nennen pflegt, liebt er heiß und innig. Aber diese Liebe und Begeisterung beruht auf absoluter Gegenseitigkeit. Mein Vater wird schwerpunktmäßig wegen Kjartan erscheinen und hat auch schon allerhand Pläne im Hinterkopf, was er denn mit dem Kind alles unternehmen könnte. Auch reich beschenken möchte er den Kurzen. Darum fragte er mich, was Kjartan sich aktuell wünschen würde oder was wir uns für Kjartan an Spielzeug wünschen würden. Ich weiß, das klingt jetzt furchtbar, aber ich habe keine Ahnung. Ich mache mir selber immer wieder große Gedanken darüber, was ich dem Kind schenken könnte. Es ist ja nicht so, dass er nicht genug hätte. Im Grunde, wenn man mal ehrlich ist, hat das Kind bereits eine vorzeigbare Spielzeugabteilung in seinem Kinderzimmer. Ich versuche immer ein wachsames Auge darauf zu richten, denn ich möchte natürlich nicht, dass das Kind mit stumpfem Nonsens überschüttet wird. Besonders in Kjartans Fall sollten es dann schon sinnvolle Spiele und Spielzeuggegenstände sein. Also kein Hokuspokus. Aber sobald „Opa-Autsch“ in der Nähe ist geht der ganze Hokuspokus erst so richtig los. Das letzte Mal schenkte mein Vater ihm ein oberschickes Fahrrad mit Helm und allem Drum und Dran. Ich gebe zu, wir fanden das toll. Vor allem deshalb, weil uns dieser Kauf somit abgenommen wurde. Jedoch hat das Kind nicht wirklich etwas davon, wenn es motorisch bedingt noch nicht in der Lage ist Pedalen zu treten. Da nützen auch vorsorgliche Stützräder nichts.

Kjartans Ergotherapeutin ist davon überzeugt, dass es daran läge, dass Kjartan für sein Alter schon sehr groß ist. Das ist er wirklich. Ein wahrer Riese unter den Zwergen. Das rasante Wachstum liegt bei uns in der Familie. ;)

Jedenfalls sagt sie, dass die Motorik da nicht so schnell hinterher kommt, wie es bei normal großen Kindern der Fall wäre. Daher fällt ihm so einiges in dieser Richtung etwas schwerer. Sie empfahl uns, dass wir für Sohnemann ein Laufrad anschaffen sollten. Das Kind sitzt dann darauf und benutzt dann natürlich zum Vorankommen die Beine, jedoch nicht tretenderweise, sondern laufenderweise und das trotzdem im Sitzen, (für die, die keine Idee haben sollten, was ein Laufrad für Kinder ist. Es hat jedenfalls nicht mit Hamstern, Ratten oder Mäusen zu tun).

So ein Laufrad würde zum Einen seinen Gleichgewichtssinn und darum auch gleichzeitig seine Motorik unterstützen. Obendrein hätte er höchst wahrscheinlich auch viel mehr Bock auf so eine Sache, weil es ein wesentlich höheres Erfolgserlebnis verspricht. Ich habe jetzt viele Kinder mit solchen besagten Laufrädern alleine bei uns im Ort beobachten können und halte es inzwischen selber für eine gute Idee.

Also erwähnte ich nach Vaters Wunschabfrage dieses Teil. Weiter konnte ich ihn auf die Schnelle am Telefon natürlich nicht beraten. Er teilte mir mit, dass er unbedingt sämtliche Spielzeugläden mit Kjartan und Jack zusammen aufsuchen möchte. Für mich zunächst einmal eine recht überfordernde Aussage. Darum bat er Jack und mich darum, dass wir uns bis Donnerstag Gedanken dazu machen sollten, was denn alles für Kjartan in Frage kommen könnte. Noch dazu sollten wir ihm geeignete Spielzeugläden zur Anfahrt empfehlen. Bis Donnerstag wird das, denke ich mal, kein Problem sein. Mein bester Freund wäre da das Internet um in der nächsten Umgebung etwas Sinniges ausfindig zu machen. Dazu muss man sagen, dass nicht alles was für mich sinnig ist auch für meinen Vater sinnig ist. Er ist ein Mensch der alles sehr genau nimmt und recht akribisch in Angriff nimmt. Da kommt man oftmals gar nicht so wirklich mit.

Tja, aber wir werden das Kind schon schaukeln. Zur Not fordere ich meinen Vater heraus, dass er selber mal etwas kreativer sein soll, was diese Sachen angeht. Ich wäre ja für Spiel- und Kinderbücher oder auch das alt bekannte Memory-Spiel. Da gibt es einfach so viel… Aber der Sohn hat ja bald schon Geburtstag. Ein paar extra Würste dürften da erlaubt sein (?)



 

Was mich betrifft: Ich müsste mich bis Donnerstag dann noch auf Vordermann bringen. Abgesehen von den dicken schwarzen Ringen unter meinen Augen, sieht das Obergeschoss meines Kopfes zum fürchten aus. Das bedeutet so viel wie: Ich muss mir dringend meine Haare färben!!!

Der hellblonde Haaransatz, (ja, ich bin eine Blondine, man hätte es nicht erwartet), rückt immer mehr nach und besonders bei einem Kontrast von Blond auf Schwarz sieht das reichlich beknackt aus. Die Frage wäre dann nur: Wann sollte ich das noch erledigen können? Morgen nach dem Kursbesuch und der Arbeit? Könnte knapp werden und würde wieder mal wenig Schlaf bedeuten. Aber was muss dat muss, sagt man doch so schön. Ich will mich jedenfalls nicht wie eine Baracke fühlen müssen, wenn der hohe und wirklich seltene Besuch meines Vaters vor der Türe steht.^^

von Aada
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Donnerstag, 3. juli 2008

Ich weiß, ich war jetzt einige Zeit nicht mehr hier um zu schreiben. Aber das stellte sich auch als nicht so einfach heraus. Die Kurse meiner Fortbildung haben nun angefangen und man ist danach wirklich geschlaucht. Noch dazu muss ja nach wie vor gearbeitet werden. Der Haushalt muss versorgt und das eigene Kind umsorgt werden. Da steht derzeit echt viel auf meinem Tagesplan. Ich glaube aber, dass ich das alles unbeschadet schaffen werde. Nur wird da nicht viel Raum für Freizeit bleiben. Das wusste ich allerdings gleich zu Anfang schon.

 

 

Ansonsten hat mein Nachbar wieder Ärger gemacht. Die Bloggemeinschaft kennt die Geschichten natürlich noch nicht. Da muss man auch enorm vorgreifen, um das alles zu erklären und zu berichten. Das will ich gerne tun. Jedoch nicht heute. Ich denke, ich werde mir dafür die Zeit am Wochenende nehmen. Wenn, dann soll es ja eine ordentliche Geschichte werden. Nicht so etwas Abgehacktes wie dieser Beitrag hier. xD

von Aada
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Dienstag, 24. juni 2008

Kjartan und ich machten heute den ersten Besuch bei seiner neuen Ergotherapeutin. Ich muss schon sagen, es ist erstaunlich wie unterschiedlich die Meinungen von Fachmännern (Fachfrauen) sein können.

 

Zunächst einmal: Kjartan leidet unter einer Rückentwicklung. Das fiel mir bereits auf, als er so ungefähr zwei Jahre alt war. Zuvor machte er eine ganz normale kindliche Entwicklung durch, und dass ohne irgendwelche Komplikationen. Was zunächst einmal auffällig war, war seine Sprachentwicklung. Er sprach so gut wie gar nicht, was jedoch nicht heißt, dass er nicht kommuniziert hätte. Er brabbelte und stammelte seine eigene Sprache und kam irgendwie seiner eigentlichen Muttersprache nicht hinterher.


Dem Kinderarzt teilte ich natürlich meine Sorgen mit. Es war nicht so, dass er mich nicht ernst nahm. Er ist ein wirklich guter Arzt und mein Gefühl sagt mir, dass er bis heute und in Zukunft dort sehr gut aufgehoben ist. Jedoch konnte er zu der damaligen Zeit nicht viel dazu sagen, da das Kind gerade mal zwei Jahre alt war. Wäre ja möglich gewesen, dass sich das mit der Zeit gibt (?)


Als Kjartan dann drei Jahre alt wurde und in den Kindergarten kam schien es jedoch nicht besser zu sein. Auch in seinem gesamten Verhalten wirkte er ziemlich auffällig. Er störte das Spiel von anderen Kindern; entriss ihnen Spielsachen und galt als ein wahrlich ungezogenes Kind. Für mich als Mutter war das natürlich etwas peinlich. Vor allem deshalb, weil er derartiges zu Hause nicht machte. Er war eigentlich immer sehr lieb, auch zu anderen Kindern. Nur im Kindergarten ließ er anfangs die Sau raus.

 

Mittlerweile hat sich das, nachdem er nun ein ganzes Jahr in den Kindergarten geht, gelegt. Seine Erzieherinnen sprechen sogar davon, dass er ein recht liebes und aufmerksames Wesen hat. Wo es zu Anfang Probleme gab, gibt es in dieser Hinsicht nun keine mehr. Er hört auf das was man ihm sagt. Alles andere ist lt. Erzieherinnen altersabhängig. Aber damit sind die Probleme dennoch nicht behoben, (wenn man das so sagen kann). Seine Sprachfähigkeiten lassen für einen bald Vierjährigen natürlich immer noch zu wünschen übrig, wenn gleich seine Betreuung im Kindergarten davon spricht, dass er sich im Laufe das vergangenen Jahres rasend schnell entwickelt hätte. So kommt es mir auch vor. Immerhin kann er sich nun recht gut verständigen, sogar deutlich und das ist aus meiner Sicht ziemlich beruhigend. Allerdings hat er Probleme was das konstruktive Spielen betrifft. Auch an Ausdauer und Konzentration mangelt es ihm etwas. Bei einem Früherkennungstest mittels eines Kinderpsychologen kam heraus, dass Kjartan unter dem Entwicklungsdurchschnitt liegt. Jedoch sagen mir der Kinderarzt; seine Erzieherinnen; sein Kinderpsychologe und seine Ergotherapeutin, dass es sein könnte, dass er vieles binnen zwei Jahren aufholen könnte. Die eindeutige Diagnose konnte vom Kinderpsychologen noch nicht getroffen werden, aber wir vermuten, dass Kjartan unter ADS leiden könnte. (Nicht zu verwechseln mit ADHS).


Beobachtet wurde trotz seiner Schwierigkeiten, dass er relativ aufnahmefähig, motiviert und ehrgeizig ist. Ein guter Nährboden für eine Therapie bzw. Förderung. Dumm scheint das Kind nicht zu sein lt. Kinderpsychologe und Ergotherapeutin – ganz im Gegenteil, sagen sie. Beide sprachen sogar von einer Zickzackentwicklung. Während er in bestimmten Bereichen rückentwickelt ist, ist er in anderen Bereichen sogar ziemlich weit entwickelt; also weiter als der Durchschnitt.

 

Mich beruhigt das natürlich ungemein. Und ich selber stehe jetzt nicht mehr auf dem Holzpfad….ratlos und allein. Was auch wichtig ist das ich nun weiß, dass ich mir keine Vorwürfe mehr machen brauche. Anfangs gaben ja wir uns die Schuld und dachten, wir hätten irgendetwas falsch gemacht. Das bietet sich oft an, wenn es das erste und einzige Kind ist. Aber diese Sorge nahmen mir sein Kinderpsychologe und seine Ergotherapeutin.


Ich finde es nun gut, dass wir uns so früh darum gekümmert haben. Das es uns aufgefallen ist und wir dementsprechend reagierten, aus eigenem Antrieb. Er ist zwar noch recht jung und vielleicht kann man noch nicht so viel, ob seines Alter, dazu sagen. Aber immerhin wird nun früh untersucht und gefördert.

 

Nächste Woche Montag haben wir den nächsten Termin bei der Ergotherapeutin. Im Übrigen finde ich sie sehr sympathisch. ;)


Ich bin darauf gespannt, wie es dieses Mal laufen wird. Heute lief es recht gut. Von Kjartan selber, so sagte sie mir, wäre sie begeistert. Er wäre so brav und einsichtig. Im Grunde genommen recht unkompliziert im Umgang, was sie normalerweise von Kindern in seinem Alter nicht so kennen würde.

 

Wenn sie das sagt……

…..dann wird es wohl stimmen (?) Ich als Mutter bin natürlich sehr zufrieden mit ihm. Ich halte ihn selber für ein liebes und unkompliziertes Kind das vielleicht hier und da ein paar Macken hat. Aber wer hat die nicht? *g*

Jedenfalls bereitet das Ganze einem ein wesentlich besseres Bauchgefühl.

von Aada
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Sonntag, 22. juni 2008

Vor einigen Tagen durchwühlten Jack und ich unsere Schränke und Kartons im Keller. Eigentlich suchten wir nach alten Bewerbungsunterlagen von mir. Bewerbungsunterlagen, und wenn sie noch so alt sind, sind Gold wert.

 

Während wir so wühlten und suchten, kamen auf einmal Gegenstände, Schriftstücke etc. pp. aus meinem „alten“ Leben hervor. Erinnerungen an eine Zeit, die so unkompliziert war. Man erinnert sich daran, wie man einst dachte und sein Leben führte. Vor allem aber wie man damals plante sein Leben in Zukunft zu führen. Ich wollte zum Beispiel früher niemals Kinder haben. Die wollte ich erst als ich erfuhr, dass ich keine kriegen könnte. Wie sehr ich keine Kinder bekommen kann weiß ich ja heute. ;)

 

Ich habe früher viel gezeichnet und geschrieben. Als ich mit ca. zwanzig Jahren so für mich wusste, welchem Beruf ich hauptsächlich nachgehen wollte, waren meine Eltern geplättet. Sie verstanden das mal wieder als ein Aufbegehren, denn es war ja klar: Dieses Kind ist kreativ. Warum also Finanzen, Buchungssätze und Verwaltung?? Heute kräht kein Hahn mehr danach, obwohl sie es immer noch nicht verstehen. Bislang versteht es keiner, der mich wirklich kennen gelernt hat und besonders keiner, der mich schon länger als länger kennt. Dazu gehören ja auch Freunde, Bekannte und Verwandte. Das Hinterfragen hat natürlich nie aufgehört. Zwischenzeitlich stellte ich mir selber diese Frage, fand allerdings recht schnell für mich eine Antwort. In meinem Kopf und in meinem Leben geht so ziemlich alles drunter und drüber. Ich suchte mir also etwas, was Ordnung in mein Leben bringen könnte. Buchhaltung ist dann doch das aller beste Mittel. xD

So trocken und fad und voller durchorganisierter Ordnung. Eines kann ich jedenfalls sagen: Zwischen meinem Kleiderschrank und meinem Schreibtisch liegen WELTEN (!)

Verblüffend, nicht wahr?

 

Aber das ist nicht alles an Erinnerungen die zu Tage kamen. Im nächsten Moment streckte Jack mir ein altes, noch ungebundenes Buch von mir entgegen. Ich habe es damals, zusammen mit anderen aus der Sumatra-Gruppe, geschrieben. Vier Wochen waren wir damals also auf Sumatra, einer indonesischen Insel. Unser Projekt war, missgestalteten Kindern aus ärmlichen Verhältnissen zu helfen. Die meisten davon kamen mit einem Wolfsrachen auf die Welt. Eine Folge von mangelhafter Ernährung während der Schwangerschaft. Keine Seltenheit in dieser Welt. Wir arbeiteten zunächst von Deutschland aus ehrenamtlich, indem wir einen Kiosk eröffneten. Was wir von dort aus einnahmen, wandelten wir u.a. in Operationsbesteck aus Deutschland um und brachten es höchst persönlich nach Sumatra in die Krankenhäuser. Auch bei einigen Operationen an den Kindern waren wir dabei. Fotos in diesem Buch belegen das. Wir selber lebten, um einiges besser nachempfinden zu können, selber in ärmlichen Verhältnissen. Ich gebe zu, wenn man sich allein die gegenwärtig politischen Verhältnisse dort ansieht, war das damals weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber immerhin eine recht wertvolle Erfahrung.


Wie lange nehme ich mir nun schon vor dieses Buch binden zu lassen und eventuell zu veröffentlichen? (Natürlich dann auch wieder ehrenamtlich).

Bisher habe ich es jedenfalls nicht in die Tat umgesetzt und immer wieder wenn ich dieses Buch in Händen halte frage ich mich, was mich in all der Zeit eigentlich aufgehalten hatte. Jetzt gerade frage ich es mich wieder.

Auch andere Bücher, von mir selber geschrieben, (die ich allerdings nicht veröffentlichen möchte bzw. muss), tauchten auf. Oder Liedtexte, welche ich damals für meine alte Band geschrieben hatte. Bei wie vielen Bands war ich eigentlich insgesamt schon Mitglied? Wenn ich im Kopf so resümiere, müssten es auf jeden Fall ganze drei gewesen sein. Was tat ich dafür, um damals überhaupt daran teilhaben zu können? Ach ja…. Ich spielte Klavier und Keyboard und fing zwischenzeitlich, (und dass recht spät), mit Gitarre an. Lange dahinter lag eine Gesangsausbildung. Es gab also einige Gründe, warum ich mich Mitglied schimpfen konnte. Aber was ist jetzt? Jetzt ist nichts von all dem übrig geblieben, außer natürlich den Erinnerungen. Und das stört mich noch nicht einmal. Es ist nicht so, dass ich diesen Zeiten hinterher trauere. Ich hatte sie ja und jetzt brauche ich sie nicht mehr. Aber wenn man mit dem Ganzen noch einmal konfrontiert wird, und das passiert zwangsläufig wenn man seine Vergangenheit durchwühlt, dann fragt man sich schon was man früher wohl für ein Mensch war. Einige würden mich noch heute als eine Idealistin bezeichnen. Mein Vater zum Beispiel. Und nicht immer ist bzw. war er zufrieden damit. Früher soll ich es auf jeden Fall gewesen sein. Ich war das schwarze Schaf in der Familie. Es hieß, ich würde immer das Gegenteil von dem machen, was man von mir erwartete. Diverse Unverschämtheiten schrieb man mir zu. Kein Taktgefühl und immer musste ich sagen, was ich gerade dachte. Ob nun passend oder unpassend. Ich bin eigentlich der Meinung, dass ich das auch noch heute tue, bloß ohne diesen pubertären Beigeschmack. Das finde ich besonders erstaunlich. Wenn man also die Grenze der Dreiundzwanzig noch nicht überschritten hat, ist man unverschämt sobald man offen sagt was man denkt. Aber ich hatte natürlich auch nicht nur schlechte Eigenschaften: Ich soll auch einen unheimlichen Gerechtigkeitssinn gehabt haben, sowie eine ziemlich soziale Ader. Besonders für Minderheiten. Heute hält man mich für unkompliziert und aufgeschlossen. Ja, sogar mutig meine ich mal vernommen zu haben. Auf einmal bewundern einen die Menschen, weil man sich traut Sachen auszusprechen, die man ja eigentlich nicht ausspricht. „Sie hat sich ihre Kindlichkeit und ihre innere Unschuld bewahren können.“, sagte vor ein paar Jahren eine alte Freundin meiner Mutter und blickte mir lächelnd nach. Ich habe sie mir nicht bewahren können. Viel mehr war ich nie in der Lage sie ablegen zu können, aber gut. Ich muss ja sowieso immer Widerworte geben.

Als mein Vater damals von meiner Schwangerschaft mit Kjartan erfuhr seufzte er meiner Mutter nur in den Telefonhörer, „Hach, naja. Vielleicht macht es sie ja vernünftiger…..“ Heute sind beide der Meinung, dass es tatsächlich so gekommen ist. (Das lassen wir jetzt mal so dahingestellt).

 

Beziehungen waren mir auch nie wirklich so wichtig. Es lief. Sofern nichts von Beziehung oder dergleichen in Sicht war, war es auch in Ordnung. Jedenfalls war ich nicht auf der Suche. Es ergab sich immer so. Meistens waren es ja Irrtümer, aber das hatten wir ja schon. ;)

Das war, glaube ich, die größte Sorge meiner Eltern. Naja gut, eigentlich mehr die größte Sorge meines Vaters. Uns trennten ja immer recht viele Kilometer, (ja, ich bin ein Scheidungskind), und darum bekam er immer nur sehr flüchtig einen Eindruck meines Lebens. Wie ich ihn damals oftmals verstanden hatte, hatte er den Eindruck von mir, dass ich durch sämtliche Betten hüpfen würde. Hähä, wenn der wüsste was für ein Mauerblümchen ich in Wahrheit bin. ;)

Aber auch wieder erstaunlich: Was für schlimme Dinge einige Menschen, besonders die ganz nahestehenden, von einem denken und wie harmlos es dann tatsächlich ist. Diese Vermutung, was meine Person betrifft, war nicht wirklich ungewöhnlich was heißen soll, dass mein Vater gewiss nicht der einzige Mensch war, der derartiges von mir dachte. Aber leider muss ich diesbezüglich immer wieder enttäuschen: Ich bin geradezu langweilig.

Eine langweilige Idealistin, die mit ihren fast dreißig erreichten Jahren bloß mit insgesamt vier männlichen Wesen das Bett teilte, eine bürokaufmännische Berufsausbildung absolvierte und nun Finanzbuchhalterin werden will. Tja. Angesichts dessen, dass meine Eltern damals eher vermuteten, dass ich heute hardrockenderweise auf oder hinter diversen Bühnen herumlungern würde, mir dabei die Hucke voll saufe oder schlimmeres, ist mein tatsächliches Leben doch recht banal, oder? Ob sie wohl enttäuscht sind? Immerhin lagen sie ja total falsch.


 

Naja, dafür bin ich auf andere Art und Weise Freak geblieben. Zum Beispiel zähle ich mich seit ca. siebzehn ( 14/8 Jahren), Jahren zu den eingefleischten A.v.P.-Fans. Sogar Fanfictions schreibe ich unter anderem. Ich sammle Figuren und Bücher darüber. Nebenbei bin ich Moderatorin in einem A.v.P-Forum. Sind das nicht Sachen, die man als Mutter eines bald Vierjährigen, Hausfrau, Lebenspartnerin und Buchhalterin, eigentlich nicht machen sollte? Vielleicht sollte ich recht schnell meinen Eltern davon berichten und ihnen sagen, dass ich mir schon ziemlich bald einen Alienrunner-Wohnzimmertisch, gefertigt aus Motorradteilen, zulegen möchte. Aus Übersee versteht sich und schweineteuer. Ich denke sie wären glücklich darüber nach so langer Zeit nun endlich wieder den Kopf wegen mir schütteln zu können. Von meinem Musikgeschmack erst gar nicht zu sprechen…… ;)))))

 

 

*Nachtrag*

Bevor ich es vergesse: Ich habe inzwischen mein Arbetiszeugnis erhalten. Was soll ich sagen? Das was ich da las war ein TRAUM !!! *hüpf*


 


von Aada
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Freitag, 20. juni 2008

Und das bekam ich gestern während eines Telefongesprächs mit einer alten Bekannten von mir. Wir hatten uns lockere drei Jahre aus den Augen verloren. Obwohl, verloren kann man nicht wirklich sagen. Viel eher war es so, dass ICH mich nicht mehr gemeldet hatte, was bei mir zwischendurch mal für längere Zeit passieren kann. So bin ich nun einmal. Ich verschwinde unverhofft und tauche eines Tages ganz plötzlich wieder auf.

 

Bevor wir es wagten wieder miteinander zu telefonieren, fand ein Emailaustausch zwischen uns statt. Diese Email, mit all ihren Neuigkeiten, war erst einmal die volle Wucht für mich. Um das zu erklären, müsste ich jetzt etwas vorgreifen.

 

Als wir uns nämlich das letzte Mal begegneten, war mein Sohn gerade erst ein halbes Jahr alt. Während meiner Schwangerschaft verbrachte ich ebenfalls einiges an Zeit mit ihr. So kam es natürlich oft dazu, dass wir -was Frauen halt so tun, wenn sie unter sich sind- uns über Privatleben, Beziehung und Familienplanung unterhielten. Lag ja auch für mich damals ziemlich nahe, da ich ja schwanger war. Als wir jedoch auf sie zusprechen kamen äußerte sie sich eher so, dass sie und ihr damaliger Lebensgefährte, (jetzt Ehemann), nicht wirklich über Kinderplanung nachdachten. Ist ja auch nicht weiter schlimm. Jedenfalls, so wie sie sich damals dazu äußerte, klang das unterschwellig sogar so, als ob sie überhaut niemals Kinder haben wollen würde. Immerhin war sie ja auch schon 34 Jahre alt. Selbst wenn sie ansatzweise mit meinem Sohn konfrontiert wurde wirkte sie etwas distanziert. Überhaupt so was Kinder anging. Bei ihr, im Bezug auf meinen Sohn, war es jedenfalls so eine Mischung zwischen Unbeholfenheit und einem kleinen Hauch von Abneigung, was sich jetzt vielleicht hart anhört. (Als Ekel wollte ich es jetzt dann doch nicht bezeichnen).

Mit Kindern im Allgemeinen, so hatte es den Anschein, konnte sie so gar nichts anfangen. Das nahm ich ihr natürlich nicht übel, wenn gleich die Tatsache bestand, dass sie sich je sichtbarer meine damalige Schwangerschaft wurde, von mir persönlich distanzierte. Ich nahm ihr das nie wirklich übel. Es verletzte mich nicht einmal, weil ich viele Menschen kenne, die mit Kindern nichts anfangen können. Da wäre zum Beispiel mein bester Freund: Er ist nun auch bereits 37 Jahre alt und hat sich ganz klar gegen Kinder und Familie entschieden, weil er damit einfach als Mensch nichts anfangen kann und trotzdem besteht zwischen uns weiterhin eine enge Freundschaft und Vertrautheit. Man muss halt nur als Gegenüber in der Lage sein zu begreifen, dass man sich in diesem Punkt voneinander unterscheidet und dieses akzeptieren. Alles kein Problem.

 

Um wieder auf meine Bekannte und diesen Emailwechsel zurückzukommen: Ihre Email haute mich gerade zu um! Von jedem hätte ich es angenommen, aber gewiss nicht von ihr als sie da so locker schrieb, dass sich ebenfalls vieles bei ihr getan hätte. Sie sei jetzt im siebten Monat schwanger und erwartete einen kleinen Jungen.

UFF !!! Mein Gesichtsausdruck muss Bände gesprochen haben, während ich diese Email las. Als ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, freute ich mich selbstverständlich für sie. Auf der anderen Seite dachte ich mir, ´Mädel, du fängst mit deinen 38 Jahren aber früh an mit deiner Familienplanung.´  Aber gut. Das sollte von mir gewiss nicht als ein schlechtes Urteil angesehen werden. Meistens bestehen ja Gründe, warum man entweder früher oder später, oder sehr viel später, (so wie sie), damit anfängt.

 

Als wir dann gestern miteinander telefonierten, erfuhr ich auch ihre besagten Gründe. Bis vor ungefähr zwei oder drei Jahren befand sich ihr Lebensgefährte noch mitten im Studium. Als er es dann erfolgreich abgeschlossen hatte, beschlossen die beiden erst zu heiraten. Eigentlich eine vernünftige Sache was die Reihenfolge betrifft. Meine bessere Hälfte und ich hielten diese Reihenfolge nicht ein. Bis heute noch nicht. Wir wissen zwar, dass wir irgendwann….eines Tages heiraten wollen, jedoch WANN steht noch nicht fest. Aber heiraten war für Jack und mich auch nie so wirklich wichtig, davon mal ab.

Nach der Hochzeit planten die beiden ebenfalls nichts Konkretes bezüglich einer eventuellen Familienplanung. So nach dem Motto: „Wenn´s passiert, dann passiert´s. Wenn nicht, dann halt nicht. Auch gut.“

Wiederum ein bis zwei Jahre später wurde sie dann tatsächlich schwanger. Im Gespräch selber fügte sie dann noch hinzu, dass es höchst wahrscheinlich, (und das bedeutet bei ihr soviel wie GANZ SICHER), bei einem Kind bleiben wird. Sie wäre ja jetzt auch nicht mehr die Jüngste zum Kinderbekommen. (Ja, da liegt sie in der Tat gar nicht mal so falsch).

 

Das klingt alles im Grunde super schön. Aber weil ich sie noch aus anderen Zeiten kenne und ungefähr weiß wie es sich anhört wenn sie sich über etwas freut, entwickelte sich bei mir dieses seltsame Gefühl, während sie mir all das am Telefon berichtete. Das klang alles so brutal emotionslos. Als ob es das nebensächlichste auf der ganzen Welt wäre. Keine Spur von Freude oder Vorfreude; kein Lachen oder Aufhellen in ihrer Stimme. Ja, es kam einem beinahe schon so vor, als hätte mir das ein Voice-Programm berichtet. Weil mir das Ganze zunehmend unangenehm wurde fragte ich sie irgendwann einfach danach, wann denn der errechnete Geburtstermin sei. Daraufhin erzählte sie mir weiter, auf diese gefühlstote Art, dass es Anfang September sei. Allerdings würde sie hoffen, dass das Kind früher auf die Welt käme, denn im September hätte ihre Schwester Geburtstag. Das wäre aus ihrer Sicht völlig unpassend, wenn das Kind erst dann auf die Welt käme. Zwei Geburtstage innerhalb eines Monats in der Familie gingen ja mal gar nicht. Ich sagte dazu nicht viel außer, „Naja, über sowas haben wir uns damals nun wirklich keine Gedanken gemacht.“ DOCH, sowas wäre super wichtig für sie und darum total unpassend, käme das Kind zum ausgerechneten Termin. (Also ich würde mir wahrscheinlich eher darüber Gedanken machen, dass ich es schaffe mein Kind vollständig auszutragen statt zu hoffen, es käme früher, weil eine meiner Schwestern da Geburtstag hat. Mir ginge es da um die Komplikationen einer eventuellen Frühgeburt, welche ich nicht haben wollte und vordergründig um die Gesundheit meines Kindes.)

Aber gut, jeder denkt da wohl anders. ;)

 

Nun gut. Bevor wir das Gespräch beendeten versprach ich ihr, dass ich nächste Woche versuchen würde sie in ihrem Betrieb zu erwischen und zu besuchen. Schließlich geht sie nach Ablauf der nächsten Woche in den Mutterschutz und ist dann erst einmal weg. Ich werde dann auch keine Zeit mehr haben, weil bei mir dann erst einmal der ganze Krampf anfängt.

Aber im Mai wird sie schon wieder halbtags arbeiten gehen, sagte sie voraus.

Vielleicht werde ich es schaffen sie im Laufe der nächsten Woche mal zu besuchen. Dann wäre ich für mich schon einmal darauf gespannt, wie sich erst ein Treffen mit ihr anfühlen wird. Der Anblick, das weiß ich jetzt schon, wird jedenfalls ein ungewohnter sein. Sollte ich es nicht schaffen, dann sehen wir uns voraussichtlich erst im Mai wieder.

Mal gucken und abwarten…….

von Aada
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Donnerstag, 19. juni 2008

Jeder in seinem Leben zieht sie. Der eine mehr der andere weniger; früher oder später, vielleicht aber sogar auch nie.

 

Ich war immer schon etwas Menschenscheu und war generell nicht bereit dazu Vertrauen zu schenken. Im Grunde nicht weil ich zu oft enttäuscht wurde, sondern weil es für mich, bereits im Kindesalter eine Art Überforderung darstellte. Freunde hatte ich trotzdem.

Aber ich will hier nicht mein gesamtes Leben mit Menschen reflektieren, sondern über meine zwischenmenschlichen Beziehungen resümieren. Ich muss gestehen, sehr viele Erfahrungen habe ich diesbezüglich nicht gemacht. Zumindest, was die Männerwelt betrifft. Befreundet war ich mit ihnen immer. Sogar mehr als mit weiblichen Personen. Das männliche Geschlecht, auf rein platonischer Ebene, stellte sich für mich als immer recht unkompliziert dar. Sofern ich es mal wagte mir gute Freundinnen zuzulegen, ging das meistens ordentlich in die Hose. Frauen können ja so ekelhaft eifersüchtig und missgünstig sein. Jedenfalls waren und sind das meine Erfahrungen. Aber ab einem gewissen Alter stellt sich das als sehr schwierig heraus. Die ersten Schwärmereien fangen an und man lernt dann erst zum ersten Mal die wirklichen Unterschiede kennen. Die erste männliche Person, in die ich mich bis über beide Ohren verliebte war zwei Jahre älter als ich. Da müsste ich zarte zwölf Jahre alt gewesen sein und ich hatte das Glück, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Selbstverständlich lief die ersten Jahre nichts Besonderes. Händchenhalten, Küsschen hier und Küsschen da…. So war das halt. Dennoch blieben wir ziemlich lange zusammen. Genauer gesagt waren es ungefähr vier Jahre. Während dieser Zeit entwickelte sich eine Menge zwischen uns und vermutlich wären wir auch zusammengeblieben, wenn er nicht einen Autounfall gehabt hätte, durch den er sein Leben verlor. Für mich war das damals eine wahrlich tragische Sache. Ich wusste weder ein noch aus und sowieso nicht, wie ich fortan damit und mit mir selber umgehen sollte. Wenn man auf diese Weise entzweit wird, ohne dass es zuvor zwischenmenschliche Schwierigkeiten gab, kann man sich zunächst nicht vorstellen jemals wieder einen anderen Partner auszuwählen. Niemand kam da für mich in Betracht. Oder doch?

Ich hatte damals auf der Schule einen sehr guten Freund. Er war der einzige, dem ich mich anvertrauen konnte. Sozusagen die starke Schulter, an der ich mich ausweinen konnte. So lief das ein ganzes Jahr lang und diese Freundschaft schlug, womöglich durch diese ganze Trauer, um. Es entstand eine Art Abhängigkeitsverhältnis. Ich glaubte, es gäbe niemanden sonst, dem ich so vertrauen könnte und um das Ganze nicht eines Tages zu verlieren, kam mir die Idee, dass es auch Verliebtheit sein könnte. Von seiner Seite aus auf jeden Fall. Aber ob das wirklich eine Gleichgesinnung war, frage ich mich noch heute. Selbstverständlich kamen wir zusammen und blieben es auch. Wieder knapp vier Jahre lang. Die ersten anderthalb Jahre waren geradezu traumhaft. Der Rest war eine Katastrophe. Wir stritten und hassten uns. Ja, es war eine Hassliebe und sowieso kam es mir so vor, als hätte er sich komplett verändert. Aber hatte er sich wirklich verändert, oder war er nicht schon von Anfang an so? Heute glaube ich, dass ich ihn einfach anders sehen wollte.

 

Meine Eltern mochten ihn von Anfang an nicht. Besonders mein Vater mochte ihn nicht. In seinen Augen war mein zweiter Freund ein Taugenichts und ein Schleimscheißer. Aber er musste nun mal, Wohl oder Übel, akzeptieren, dass er mein Freund war und dabei blieb es auch vorläufig. Es gab viel Unruhe innerhalb meiner Familie wegen meines damals aktuellen Freundes. Ich glaube ich habe mich in meinem Leben noch nie so oft mit meinen Eltern gezankt, wie zu dieser Zeit. Damals verstand ich absolut nicht, was sie denn eigentlich gegen ihn hätten. Aber als ich dann so zwanzig Jahre alt war, dämmerte mir etwas. Durch einen Zufall bekam ich heraus, dass er mich zweimal betrogen hatte. Als ich ihn zur Rede stellte, blieb ihm natürlich nichts anderes übrig, als es zuzugeben. Allerdings flehte er mich an ihm zu vergeben. Das Ganze zu vergessen. Aber, kann man das in diesem Alter so einfach? Ich konnte es nicht, jedoch versuchte ich es. Ich versuchte es ein ganzes Jahr lang. Aber als ich die Tatsache, dass er mich betrogen hatte, verarbeitet hatte, hatte ich gleichzeitig auch ihn als ganze Person verarbeitet. Er bedeutete mir nichts mehr, außer Ärger und Ekel. Ich schoss ihn ab; einen Tag bevor wir unseren gemeinsamen Vierjahrestag gefeiert hätten. Er versuchte alles was in seiner Macht stand, um mich zurückgewinnen zu können. Vergeblich. Die Sache war vorbei. Das merkte ich besonders, als er nach unserer Trennung zu mir nach Hause kam, um seine Sachen abzuholen. Selbst wenn er mir gegenüber saß war es mir unangenehm. Ich war zwar nicht mehr wütend oder verbittert über die Dinge, die er mir einst antat, aber….ich kann es nicht beschreiben….da war einfach nichts mehr. Auch keinerlei Spur von freundschaftlichen Gefühlen. Nachdem er unser Haus verließ, kappte ich den Kontakt. Zu dieser Zeit hatte ich wieder einen guten Freund, dem ich mich stets anvertraute. Und wieder machte ich den Fehler etwas anderes daraus zu machen, statt es bei einer ganz stink normalen Freundschaft, die es eigentlich nun einmal war, zu belassen. Wir planten viel und waren auch kurz davor alles was wir gemeinsam planten in die Tat umzusetzen. Glücklicherweise trennten uns große Entfernungen. Er kam aus Finnland und lebte auch dort und ich hockte in Deutschland. Allerdings verbrachten wir unsere Urlaube und diverse Wochenenden miteinander. Das war aber niemals eine so lange Zeit, als dass man von einer wahrhaften Beziehung sprechen konnte. Diese Entfernung war, aus heutiger Sicht, sehr hilfreich. Ich erkannte, was da eigentlich mal wieder lief und trennte mich von ihm. Befreundet sind wir noch heute. Die zwischenmenschliche bzw. freundschaftliche Beziehung wurde somit im Grunde gerettet, dadurch, dass ich relativ schnell reagierte und vor allem realisierte. Danach beschloss ich, so für mich, eine Pause einzulegen. Es konnte ja nicht angehen, dass ich von einer, wieder in eine andere Katastrophe hinein strauchelte. Bei dem Nächsten wollte ich mir auf alle Fälle sicher sein.

 

Und so war es auch. Nun habe ich einen Mann an meiner Seite, mit dem ich mir vorstellen könnte ein Leben lang zusammen zu sein. Die meiste Zeit unseres gemeinsamen Lebens liegt natürlich noch vor uns. Aber immerhin war er der Mann, mit dem ich Kinder haben wollte und immer noch will. Eins ist schon da und wenn alles gut geht, dann werden wir nächstes oder übernächstes Jahr heiraten. Heiraten, obwohl ich den Gedanken an Heirat immer mehr als dämlich fand. Das war bis heute etwas, was ich eigentlich nie wollte. Aber wenn man erst einmal den Richtigen trifft, dann kann alles anders werden.

 

Um dieses Ziel erreicht zu haben, brauchte ich dazwischen immerhin drei Erfahrungen. ;-)

 

von Aada
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