Montag, 6. oktober 2008

Also ich muss erst einmal sagen, ich liebe meinen Vater sehr. Er ist ja mein Vater. Aber seine niemals zufriedene Art und seine bloße Arroganz nervt mich tierisch an. Nur ist er der einzige Mensch, bei dem ich ausnahmsweise mal nicht so eine große Klappe habe. Bei ihm bin ich ständig blockiert irgendwie.

Selbst wenn man mal etwas Kluges zu sagen weiß (versucht), also ich, dann spricht man es ihm gegenüber aus und stellt unmittelbar danach fest, dass es sich komplett dämlich angehört hat. Dagegen kann ich irgendwie gar nichts machen. Aber es ist auch so schon nicht einfach mit ihm zu reden. Das war schon immer so. Und irgendwie bin ich bei ihm das kleine Mädchen, das von nichts eine Ahnung hat, geblieben.

Kürzlich fragte er mich, eine Achtundzwanzigjährige, wie denn so das Lernpensum voran ginge und welche Noten ich so im Durchschnitt schreiben würde. Glücklicherweise hatte ich wenigstens etwas Gutes zu berichten. Aber dennoch, er gibt einem das Gefühl, dass er es einem nicht wirklich abnimmt… (oder es ist wieder mal nicht gut genug, weil eine Eins eben keine glatte Eins ist), dieser berühmte Unterton von ihm, der mich persönlich immer wieder zusammenzucken lässt. Na ja, oder noch schlimmer: Er belächelt einen. -.-

Wenn ich ihm dann von einigen meiner Lernmarathon, (oder heißt es Marathons? Wie lautet überhaupt der Plural von Marathon? oO), erzähle, die öfter mal so an die sechs Stunden andauern können, dann erzähle ich auch gleichzeitig, dass ich lieber in einer Gemeinschaft lerne. So kann man sich ja wesentlich besser testen und läuft nicht Gefahr im Dunkeln zu tappen, sofern man vorerst nicht so die Leuchte bei Thema X ist. Gut, dann findet er das schön. Aber man sollte nicht den Fehler machen, so wie ich, und zusätzlich erwähnen, dass es dadurch viel entspannter abläuft, weil man dazwischen locker mal eine Pause einlegen kann. Einen Kaffee zwischendurch, zum Hirnentlüften zum Beispiel. In einer Gemeinschaft legt man derartige Pausen „gemeinschaftlich“ fest und diese dauern selbstverständlich niemals länger, als fünfzehn Minuten. Eigentlich bräuchte man so was nicht erklären müssen. Seine Auffassung dazu ist allerdings, wenn man diese sechs Stunden nicht eisern durchlernt, dann bringt das alles nichts.

Ehrlich. Nach solchen Aussagen bin ich immer total geplättet. Mein Vater ist ein Roboter, hehe. Erst hinterher fallen mir dann die besten Konter ein, wie beispielsweise:

„Du hast Recht! Ich bin über dies der Meinung, dass man diverse Unterrichtspausen an Schulen in Deutschland offiziell abschaffen sollte. Pausen… Pah! Das bring doch nix!“

Vielleicht sollte auch allgemein die Erlaubnis entzogen werden, zwischendurch mal das WC aufzusuchen. Das geht ja mal gar nicht. Auch nicht in Pausen. Oh, ach ja. Pausen gibt es ja in seiner Welt nicht. Da müssten sich ja diverse Geschäftchen von selber erledigen.

Ich weiß, ich wirke gerade pampig und kindisch. Aber das sind wirklich so Sachen, die mich total annerven. Und wenn ich aus seiner Sicht sowieso ein Kleinkind bin, warum sollte ich mich nicht einfach auch so verhalten… ;)

 

(5 Minuten später als ich das schrieb…)

 

Ruft mich mein Vater an. Zuerst wollte ich gerade erst gar nicht den Hörer abnehmen. Keine Lust mir wieder so Dinger anzuhören. Aber es war ganz anders. Ich weiß nicht ob es bei ihm jetzt die pure Selbsterkenntnis war, oder ob ihm nicht sogar meine Schwester ins Gewissen geredet hat. Seine Worte klangen gerade nur ganz anders, als am Samstag. Er gab mir Tipps, er versuchte mich zu ermutigen… und der Unterton klang nach einer Art Entschuldigung. Ich bin jetzt doch etwas konfus. Wir unterhielten uns über buchhalterische Tätigkeiten und noch bevor er die Gelegenheit ergreifen konnte mir über diese Thematik etwas zu erzählen, griff ich gleich vor. Da war er endlich mal ruhig. Zumindest ruhiger als sonst, hehe.

Na ja. Jetzt geht es mir immerhin wieder etwas besser. So etwas nagt immer so sehr an mir.
Buch zu und nächstes Thema. ;)

von Aada - veröffentlicht in: Gedankenmatsch - Community: Familienleben
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Kommentare

ich kenne das.... ich kenne das! und ich bin 38! irgendwie haben väter so eine gewisse autorität, die einen manchmal etwas dümmlich ausschauen lässt. aber neuerdings geht es, ich habe mir ihm gegenüber bewusst eine andere körpersprache angeeignet. ich sitze nicht mehr mit den händen auf dem schoss dar, sondern setze ich mich neuerdings, wenn ich mir sicher bin im recht zu sein, gerne mal locker zurück und verschränke dabei die hände im nacken. das irritiert ihn kollosal ;) väter... tz
Kommentarnr1 gepostet von tasha am 7.10.2008 à 08h42
ja, bis ich da mal soweit bin.... ich nehme es mir immer wieder vor, aber dann trumpft er wieder und ich bin platt, hehe. ein kleiner großer kampf der gegensätze *gg* aber gut, wir hatten nie wirklich viel zeit miteinander und können uns dementsprechend nur sehr schwer aufeinander einstellen. manchmal läuft es sehr gut und manchmal läuft es eben ganz mies.^^ nur blöd, dass wir uns nicht wirklich offensichtlich streiten können. dazu kommt es nämlich nie.
Kommentarnr2 gepostet von Aada am 7.10.2008 à 20h31
Hi, so Etwas kenne ich auch von früher her. Mein Vater ist ja nun schon seit 12 Jahren tot. Das ist auch oft der Grund weshalb heut zu Tage viele junge Leute bereits in der Schule scheitern. Unter Druck lernt es sich halt nicht besonders gut und die jungen Schüler verlieren schnell die Lust. Plural-Nominativ: die Marathons Plural-Genitiv: der Marathons Plural-Dativ: den Marathons Plural-*Akkusativ: die Marathons *Akkusativ (bestens bekannt aus dem Leben des Brian :) ) Gruss Harry.
Kommentarnr3 gepostet von Harry am 8.10.2008 à 08h03
@harry: hrhr! jetzt wo ich wieder am pc bin, kann ich ja auf deine hilfe reagieren: DANKE! ich habe es mir zwar schon gedacht, aber glauben heißt ja nicht wissen. jetzt weiß ich es, dank meines orthographie-retters. xD
Kommentarnr4 gepostet von Aada am 10.10.2008 à 16h16

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